Merkmale mennonitischen Christseins
Gemeinsames
• Bekenntnis zum dreieinigen Gott
• Die Bibel als Grundlage des Glaubens und Leitfaden für ein Leben in der Nachfolge Christi
• Taufe als Ausdruck einer persönlichen Bekenntnisses zur sichtbaren Nachfolge Jesu und Reaktion auf Gottes Zuwendung und Teilhabe am Zeugnis der Gemeinde
• Überzeugung, dass in der Nachfolge Jesu Glaube und Tat zusammengehören
• Eigenständigkeit der Ortsgemeinden in allen Lebens- und Glaubensfragen
• Übergemeindliche Verbände sind Arbeitsgemeinschaften, in denen gemeinsame Aufgaben und Verantwortung wahrgenommen werden und die der gegenseitigen Unterstützung dienen. Dies geschieht unter Wahrung der ortsgemeindlichen Eigenständigkeit. Gemeinde als einladende Gemeinschaft/Geschwisterschaft leben, in der jedes Mitglied am gemeinsamen Zeugnis der Kirche Anteil hat und seinen/ihren Gaben und Möglichkeiten entsprechend dazu beiträgt
• Gemeinsame Geschichte als ein “Volk auf der Wanderung” in einem kritisch-solidarischen Gegenüber zum Staat
Vielfältiges & Unterschiedliches
Mennonitische Gemeinden unterscheiden sich durch verschiedene theologisch akzentuierte Strömungen und geschichtlich gewachsenen Frömmigkeitsprägungen. Diese kann man innerhalb Deutschlands genauso antreffen wie in der weltweiten Gemeinschaft.
o Innerhalb der AMG sind einige Gemeinden stärker von einer erwecklich-pietistischen Spiritualität geprägt und andere verorten sich in einer liberalen theologischen Tradition und Frömmigkeit.
Viele betonen die Notwendigkeit ökumenischer Beziehungen, manche stärker zu den traditionellen Kirchen, andre im evangelikalen Spektrum des Christseins – und einige üben bewusst den Brückenschlag zwischen diesen beiden Gruppierungen.
Manche leben ihr Christsein stark gesellschaftsbezogen, andere betonen die persönliche Gemeinschaft der Familienkirche, manche akzentuieren das diakonische Zeugnis stärker, während andere einen evangelistischen Akzent setzen.
Alle diese Akzente verstehen wir aber als Ausdruck eines zeugnishaften Lebens in der Nachfolge Jesu und Teilhabe an der Mission Gottes (Missio Dei), das Verantwortung für die Welt wahrnimmt, in der wir leben und das die Botschaft des Evangeliums allen Menschen im jeweiligen Lebensumfeld erfahrbar machen will.
o Vielfältigkeit in der weltweiten mennonitischen Geschwisterschaft kann für kolumbianische Mennoniten z.B. in erster Linie heißen, sich in der Gesellschaft als Friedenskirche für Gerechtigkeit einzusetzen.
Für manche nordamerikanischen Mennoniten dagegen heißt dies Rückzug aus der "Welt", die Suche nach einem einfachen Lebensstil in der eigenen Geschwisterschaft, manchmal gar unter Ablehnung des technischen Fortschritts.
Für manche europäischen Mennoniten kann das wiederum bedeuten, sich bewusst in der Ökumene zu engagieren in dem Bewusstsein, das biblische Fundament mit allen Christen und Christinnen in der weltweiten Kirche zu teilen.
Die große Vielfalt unter den Mennoniten resultiert nicht zuletzt aus der Überzeugung, dass es außer der Bibel keine andere Autorität in Glaubensfragen geben kann. Kein Kirchenamt, keine kirchliche Glaubensregel, auch kein Bekenntnis aus früheren Tagen kann den Gemeindegliedern verbindlich vorschreiben, was zu glauben ist. In jeder Generation und in jedem Kontext ist neu danach zu fragen, was Nachfolge bedeutet - mit Hilfe der biblischen Zeugnisse und der Gemeinde als Auslegerin.
